Gespanne vom feinsten!

Drei Jahrzehnte für drei Räder

Vor 30 Jahren machte WALTER mit einem Nachbau des legedären Steib TR500 erstmals von sich reden. Seit rund drei Jahrzehnten gilt die hessische Manufaktur als Deutschlands stückzahlenstärkster Hersteller.

Mit den Jubilaren ist das so eine Sache. In der Beiwagenbranche verschlafen selbst die Betroffenen oft genug. Nicht selten lässt sich auch das Gründungsdatum kaum mehr exakt ermitteln. So auch bei WALTER.
Mutmaßlich Ende 1974, in einer Zeit, als Gespanne alles andere, als "trendy" waren, begann der hessische Flugzeugbauerden trotz anhaltender Depression im Beiwagenmarkt beliebten TR500 von Steib nachzufertigen. Dem Basismodell N1 folgten bald die Evolutionsstufen N2 bis N4. Mag sein, dass der rührige Hesse - als einziger die Renaissance des Beiwagens vorausgeahnt hatte. Kann auch sein, dass er sie sogar begründete - jedenfalls entwickelte sich das Unternehmen ab 1982, als der vom dritten Rad nicht nur als engagierter Bahnrennfahrer beseelte Helmut WALTER und seine Frau Marlies den Gespannbau zu ihrer primären Profession erkoren, mit ungeahnter Schnelligkeit.
Nachdem sich eine Kooperation mit dem damaligen Moto-Guzzi-Importeur bald
als zielführend erwies, stellte Moto Guzzi 1985 die T5 mit Gussrädern vor. Das Modell kam bei den Kunden nicht an. WALTER baute im Auftrag von Motobecane, dem damaligen Moto Guzzi  Importeur, einen Beiwagen an und schon lief der Verkauf (ca. 280 Gespanne in 1985). Auch California und Mille GT-Gespanne wurden gebaut.
WALTER übernahm 1988 den Import der französischen Marke JEWELL. Der JEWELL ist heute noch der meistverkaufte Beiwagen der Welt. Seine zeitlos schöne Form passt an Nostalgie-Motorräder, genau wie an Heightech-Maschinen. Als JEWELL in Konkurs geriet, kaufte der Hesse die Bootsformen samt Namen auf. Ähnlich konsequent adaptierte er wenig später JEANIEL. Mit der Wiedervereinigung taten sich dann auch ostwärts Perspektiven auf: WALTER sicherte sich die Rechte an dem Namen STOYE und entwickelte dazu eine komplett neue Baureihe. Bis heute gelten die Anderthalbsitzer RS und SPORT, sowie die riesige Familiengondel RT als beliebte Begleiter für großvolumige Motorräder. Dazu gesellt sich neuerdings eine stark überarbeitete Version des japanischen KENTECH ROYAL, den WALTER ebenfalls in sein Repertoire aufnahm.
Doch auch für Cruiser hatte der Hesse stets ein Faible. Dem 1936er HD-Nachbau SIDE GLIDE folgten die INDIAN-Repliken FREEWAY ROADSTER und FREEWAY KING.

Ein Schwenkergespann oder der Supersportbeiwagen VENTO - Des Kunden Wunsch ist Befehl. " Geht nicht, gibt's nicht!"

Heute verfügt WALTER über das umfangreichste Seitenwagenprogramm der Welt und kann fast jede Zugmaschine umbauen. Seine Leidenschaft sind allerdings Veteranen auf drei und zwei Rädern. So haben zahlreiche toprestaurierte Italo-Klassiker in seinem Wohnhaus eine Bleibe gefunden.