|
Gute Musik im Kopfhörer, ganz alein mit der Natur und mit "ihr".
Die Zeit vergessen und sich einfach treiben lassen.
Den Alltag vergessen und einfach glücklich sein.
Ich hätte nie gedacht, daß ein Gespann so etwas ermöglicht.
Es begann alles mit unserem Urlaub vor zwei Jahren in Amerika. In einer Gruppe mit vier Gespannen und zwei Solo-Goldwings wollten wir Amerika entdecken.
Die Dreiräder ließen wir per Luftfracht über den großen Teich fliegen, die Solo-Goldwings bestellten wir bei der Firma Big Bike Tours. Die amerikanischen Bikes sollten dann nach unserem Urlaub mit zurück nach Deutschland und per Einzelabnahme weiterhin auf deutschen Straßen rollen.
Ich hatte mich noch nie mit so riesigen Motorrädern befaßt, da so eine Maschine bei meiner Körpergröße von 1,55 Metern nie zur Debatte stand. Nun stand ich vor diesem Trumm von Motorrad mit null Meilen auf dem Tacho, das dazu noch in meiner Lieblingsfarbe erstrahlte. Ich hielt es nicht mehr länger aus. Ein Telefongespräch mit der Firma Walter beseitigte die letzten Bedenken.
Wieder in die europäische Heimat zurückgekehrt, machten wir uns sofort an die Arbeit. Der neu lackierte Stoye-Sport in der Garage wurde kurzerhand umgewidmet. Eigentlich sollte er an die BMW meines Mannes, nun wurde er für die GL vorgesehen. Das richtige Volumen und das Aussehen waren die Gründe, ihn als Partner für meie GL vorzusehen. Innerhalb von sechs Wochen war das Gespann fertig.
Ich erinnere mich noch genau - es war Anfang September, ein grauer Regentag, als ich abends aus Harle einen Anruf bekomme: Sie ist fertig und kann abgeholt werden. Regen, schlechte Sicht und zwei Meter Breite! Wie soll das gut gehen? Mein Mann meinte: "Du wolltest sie haben. Nun holst Du sie auch!" Es gab keine Ausrede.
Auf den ersten Kilometern war ich sehr unsicher und fuhr langsam und vorsichtig. Von Nässe und Kälte spürte ich kaum etwas. Ich konzentrierte mich angestrengt auf das Fahren, auf die Breite des Gespannes, und nebenbei spürte ich das wundervolle Gefühl, mit diesem Schiff über den Asphalt zu gleiten.
Am nächsten Tag saß ich stundenlang in der Garage, um mich mit der Technik des GL-Dreirades vertraut zu machen. Eine deutsche Bedienungsanleitung hatte ich nicht. Aber egal, endlich gehörte sie mir. Es war ein unbeschreiblich erhebendes Gefühl, das nur der nachvollziehen kann, der ähnliches selbst erlebt hat.
Am nächsten Wochenende hatte der Gespannclub Korbach-Kassel zu einer Ausfahrt eingeladen. Dieser Ausritt war herrlich, wenngleich ich auf der Autobahn ziemlich schnell feststellen mußte, daß ich in Baustellen brav hinter den Lastwagen herzuckeln durfte. Zwei Meter sind eben zwei Meter. Doch ich konnte den Gespann-Konvoi dank des kräftigen Motors der GL-1500 immer mühelos einholen. Bei der Ausfahrt war deutlich zu erkennen, daß dieses Fahrzeug die Blicke der Passanten auf sich zog, wozu die außergewöhnliche Airbrush-Lackierung sicherlich ihren Teil beitrug. Dank des guten Fahrwerks läßt sich das Gespann jederzeit problemlos dirigieren und beherrschen. Spurrillenempfindlichkeit ist keine zu spüren. Auch über Bodenunebenheiten läßt sich das Gespann sicher dirigieren.
Für unsere eingesalzenen Straßen war mir meine GL 1500 zu schade, und ich mußte im Winter eine Zwangspause einlegen. Sobald die Straßen aber wieder trocken und salzfrei waren, rollte ich gemütlich über ruhige Landstraßen.
Es heißt immer, man müsse wissen, was man sich kauft. Ich wußte damals nicht, was ich mit der Gold Wing erstehen würde, auf welches Abenteuer ich mich eingelassen hatte. Heute möchte ich um keinen Preis in der Welt tauschen. Heute bin ich froh, meinem Gefühl nachgegeben zu haben.
Gute Musik im Kopfhörer, ganz alein mit der Natur und mit "ihr".
Die Zeit vergessen und sich einfach treiben lassen.
Den Alltag vergessen und einfach glücklich sein.
Ich hätte nie gedacht, daß ein Gespann so etwas ermöglicht.
|