Gespanne vom feinsten!

Zugluft erwünscht

Mit seinem R 1100 S-Gespann. demonstriert WALTER eine überraschende Proportionalität von Druck und Zug. Je vehementer sich der neue Sport-Boxer ins Zeug legt, desto turbulenter geht es auch im Corma-Beiwagen zu.

Ohne Frage lassen sich geräumigere und alltagstauglichere Boote als der Jeaniel Cobra an die BMW R1100S schrauben. Besonders, wenn man über ein derart umfangreiches Programm verfügt wie Helmut Walter. Doch weder für Deutschlands grössten Beiwagenhersteller noch für die BMW-Niederlassung Kassel als Partner standen bei diesem Projekt praktische Asprkte obenan. Und damit gleich jeder weiss, worum es zuallererst geht, taufte man die Kombination "Windy Corner".
Damit es nicht nur zugig, sondern auch zügig ums Eck geht, lässt der leistungsstärkste Boxer, den BMW je in Serie gebaut hat, ohnehin erwarten. Mehr bewegt jedoch Gespannkenner die Frage, ob der 60 Kilogramm leichte Cobra dem mit fünf Zentnern recht gewichtigen Sportboxer überhaupt Paroli bieten kann. Um ausreichende Stabilität muss man sich bei WALTER-Fahrwerken dabei keine Gedanken machen. Im Falle der R 1100 S ergänzen je ein Unterzug rechts und links das Chassis der BMW, vier Anschlußstreben fixieren den Cobra mit einer Spurbreite von 1,27 Metern.
Für die Aufhängung der 15-Zoll-Räder setzt Walter auf bewährte Lösungen: Die Lenkung übernimmt eine Schwingengabel mit zusätzlichen Versteifungen, zwei Federbeinen und hydraulischem Lenkungsdämpfer. Hinten bleibt die Paraleverschwinge unangetastet. Erstmals finden im Gespannbereich die Reifen des Smart Verwendung. Dabei kombiniert WALTER zur Optimierung des Geradeauslaufes auch diesmal einen schmalen Pneu vorn mit einem breiten im Heck. Die steifen Flanken der für den Smart entwickelten Pneus erlauben relativ niedrige Luftdrücke, was dem Fahrkomfort zugute kommt.
Nun prägt jedoch immer die Summe diverser Parameter die Gesamtabstimmung eines Fahrzeuges. So lässt sich schlecht sagen, inwieweit die Smart-Gummis zum ausgewogenen Fahrverhalten der WALTER-BMW beitragen. Erst bei ernsthaft sportlicher Gangart wird offenkundig, dass das hintere Standard-Federbein nur einen Kompromiss darstellt. Seine Dämpfung ist in schnellen, welligen Kurven bald überfordert. Mit hochwertigen Federbeinen, wie sie zum Beispiel WÜDO von Technoflex anbietet, lässt sich dieses Manko jedoch beheben.
Ansonsten herrscht selbst bei Windstärke zwölf im Boot eitel Sonnenschein. Spurtreuer Geradeauslauf, kontrollierte Drifts über das Vorderrad in Linkskurven und kalkulierbare Steigneigung des Cobra, wenn es ohne oder mit Passagier rechts herum geht, machen diese Kombination mit jedem Kilometer sympathischer. Den Charakter eines sportlichen Gespannes unterstreicht der Boxer eindrucksvoll: Ab 2000 Touren zerrt er am Kardan, um erst nahe dem "rosaroten" Bereich durch harte Vibration im Superbike-Lenker von WÜDO auf die nächsthöhere Schaltstufe zu drängen. Der Spritverbrauch bei Ausnutzung der Vmax von rund 175km/h von 7,5 auf gut zehn Liter.
Um die durch Troika und Sonnenwind ausgelöste Frischluft-Welle vom Cruiser ins Sportler-Segment zu übertragen, taugt der Cobra besser als jede andere Gondel. Der mittlerweile schon kultige Franzose hat etwas von der Bequemlichkeit eines noblen Zahnarststuhles, vermittelt dabei aber (schmezfrei!) direktes Mitfahrgefühl und erlaubt dank der sparsamen Karosserie turnerische Unterstützung. Für sportlichen Gespannspass zu zweit bietet "WINDY CORNER" also keine schlechten Voraussetzungen. Für die Wochenendtour muss man sich allerdings auf ein Minimum an Gepäck beschränken oder für zusätzlichen Stauraum sorgen. Aber das ist eigentlich nicht Thema dieses Gespannes.